Montag, 6. Juli 2009

Kalt-Warm


Wolfgang Hasenhütl fährt seit neuestem für "Team Italia"


Hier ein Anschauungsbeispiel wie es auf italienischen Straßen zeitweise zugeht (zur Information, unser Radler ist der Kleks ganz links)





Etappe 5
Bisher insgesamt bewältigt: 702,4 km

6.Juli 2009

Noventa - Àsola

  • 137 Tageskilometer
  • 27,0 km/H Durchschnittsgeschwindigkeit
  • Tageshöchsttemperatur 36°C
  • 4 Stunden 52 Minuten Fahrtzeit
  • 284 Höhenmeter
  • 3150 Kalorien pro Fahrer verbraucht

Als engagierter Blogger versucht man permanent, seinen (hoffentlich) treuen Lesern etwas amüsantes, spektakuläres oder nervenaufreibendes zu präsentieren. Kleinere bis mittlere menschliche Tragödien fördern das grundsätzliche Leserinteresse und verleihen einem Bericht wie diesem das berühmte Salz in der Suppe.
Leider (besser gesagt, für den Leser leider, für uns Gott sei Dank) kann ich heute mit keinerlei Minitragödien oder ähnlichem dienen. Zwar leben wir hier durch diesen Blog eine Art passiv beobachtbarer Reality-Soap, jedoch schreibt unsere Drehbücher tatsächlich einzig und allein das Leben selbst.
Und so sitze ich nun hier am Hof der Familie Monti in Ásola und raufe mir die Haare, wie ich den Eintrag dieses Tages aufpeppen kann, an dem alles so überdurchschnittlich glatt lief. Während ich aufs Holz des Tisches klopfe und mir für morgen einen ähnlichen Ablauf wünsche, erinnere ich mich an eine Wortkombination, die den heutigen Tag einigermaßen charakterisiert: Kalt-Warm.
„Kalt“ charakteristisch für den heutigen Morgen, ein Süppchen aus grauen und schwarzen Wolken mit zwischendurch eingestreuten Regentropfen.
„Warm“ wiederrum für den Wechsel selbiger Wetterbedingungen, der grau-schwarzen Vorspeise folgt ziemlich genau nach unserer Halbzeitpause der Etappe ein sonnig-warmer Hauptgang, wohl temperiert bei maximal 36°C Außentemperatur.
Wenn ein Etappentag für einen Blogger bzw. Begleiter bzw. Navigator so dermaßen reibungslos verläuft, bleibt viel Zeit um gegenseitigen Austausch zu betreiben, und so unterrichtete der Verfasser dieses Beitrages seinen Fahrer Daniel Blümmel (auf dessen eigenen Wunsch hin) in den wichtigsten Phrasen und Kernwörtern der italienischen Sprache – in diesem Sinne: L’italiano non é difficile… 
Auch der Kalt-Warm Vergleich hat an dieser Stelle noch nicht ausgedient… Kalt beispielsweise die kaum besiedelte, triste Gegend nach Noventa, auf ironische Art und Weise perfekt zusammenpassend mit der Wetterlage.
Warm dagegen die Landschaften und Orte nach der Pause – Ortschaften, die sämtlichen italienischen Klischees zu entsprechen schienen: Belebt, beinahe hektisch, pittoresk und ausgesprochen hilfsbereite Menschen. Auch hier spielte das Wetter unser Spielchen mit – kaum waren die ersten ansehnlichen „Villaggi“ passiert, klarte es auf und die Sonne bescherte uns die eben genannten 36°C Höchsttemperatur.
Ein weiterer Grund warum der heutige Tag das Maß an Dramatik seiner Vorgänger bei weitem nicht erreichen konnte war, dass auch die bis jetzt obligatorisch hektische Herbergssuche flach fiel. Heute Morgen war ein lautes Rumpeln über den Weinbergen von Vó zu hören – es war der Stein der den Begleitern vom Herzen fiel: „Heute fixer Schlafplatz.“
Durch Vermittlung vom zurzeit in der Heimat weilenden Dr. Hans Petritsch, auf dessen Rückkehr bereits fieberhaft gewartet wird, können wir heute die Nacht auf dem wunderschönen Hof der Familie Monti in Ásola verbringen.
In diesem Fall gibt es kein „Kalt“, nur „Warm“. Warm in einem Sinne aufgrund der schweißtreibenden Hitze, im anderen Sinne aufgrund der Wärme die uns bei unserer Ankunft entgegengebracht wurde. Wir haben die Ehre, heute erneut ein Stückchen Paradies auf Erden in diesem tollen Ambiente zu verbringen. Wir wurden bereits großzügig mit verschiedenen Arten von Melonen und frischen Tomaten eingedeckt und verbringen nun den Rest des Abends bei den Montis, bei einem Glas des hervorragenden Hausweines, die Herausforderungen des nächsten Tages erwartend.
Wenn wir heute zu Bett gehen werden wir wohl alle davon träumen, dass es ab jetzt nur noch so laufen wird.


Buona notte e grazie per leggere questo „Blog“!

Jakob, Berichterstatter für das
Team Camino 2009

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